Das Wendland zwischen Atomprotest und Energiewende
Stefan Peipp und Dr. Dieter Schiel vom Arbeitskreis Energie und Klimaschutz der Agenda 21 Schwarzenbruck reisten zusammen mit einem, von den GRÜNEN im Nürnberger Land organisierten Bus, am 6. November zur Auftaktkundgebung gegen die Castor Transporte nach Dannenberg bei Gorleben. Insgesamt säumten dort 400 Busse die Straße.
Bereits im Vorfeld gestaltete die Agenda 21 Gruppe ein großes Transparent mit dem Schriftzug „Nürnberg Land reicht dem Wendland die Hand“ auf der Vorderseite als Ausdruck der Solidarität mit der Bevölkerung vor Ort.
Wie bereits berichtet, soll der Salzstock Gorleben zu einem Endlager ausgebaut werden, obwohl er vor allem aus politischen und weniger aus geologischen Gründen gewählt wurde.
Da
es weltweit noch kein Endlager für den Atommüll gibt, stand
auf der Rückseite des Transparents an die Politik gerichtet „Was
du heut´ nicht kannst entsorgen, produziere auch nicht morgen“.
Denn durch die beschlossene, energiepolitisch völlig
unnötige, Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke
erhöht sich die Menge an Atommüll noch mehr als bislang
vorgesehen.
Bereits auf dem Weg zur Kundgebung traf dieses Transparent bei den Ortsansässigen auf große Sympathie.
„Wir
wurden immer wieder angesprochen, man bedankte sich für die
Solidaritätsbekundung und für die Mühe der langen Reise.
Anerkennend wurde uns auf die Schulter geklopft“, so Stefan Peipp.
Beeindruckend dann die Kundgebung. 600 Traktoren aus dem Wendland umrahmten das abgeerntete Maisfeld. In bewegenden Ansprachen, unter anderem des Landrats von Lüchow-Dannenberg Jürgen Schulz, den Brüdern Chokolowitz von der Bäuerlichen Notgemeinschaft, von Kumi Naidoo, Direktor von Greenpeace International und von Luise Neumann-Cosel aus der örtlichen Widerstandsbewegung „X – tausendmalquer“, schilderten sie die beklemmende Situation vor Ort.


Seit über 30 Jahren leisten sie generationenübergreifend Widerstand gegen das geplante Endlager im Salzstock Gorleben. Geologisch ungeeignet im Urstromtal der Elbe liegend und von Erdgas umgeben. Aber das Wendland lag ja am Rande der damaligen BRD und man erwartete in der konservativ geprägten Bevölkerung keinen Widerstand.
Besonders in Erinnerung blieben Stefan Peipp und Dr. Dieter Schiel Aussagen wie „Der Castor kommt, die Demokratie geht“ oder „Atomenergie bedeutet sich in ein Flugzeug zu setzen ohne eine Landebahn zu haben“.
Bewegend auch die Schweigeminute der 50.000 Demonstranten für den vor kurzem verstorbenen Solarpionier Hermann Scheer.
Denn
es ist bezeichnend, dass insbesondere die Wendländer mit ihrem
Engagement für die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien die
Alternative zur Atomenergie konkret aufzeigen. Bereits über 63%
des, im Wendland verbrauchten, Stroms stammt aus heimischen
Erneuerbaren Energien. Auch bei der Nutzung Erneuerbarer Energien zur
Wärmeerzeugung und als Kraftstoff sind die Wendländer Spitze.
Die erste Biogastankstelle in Deutschland steht in Jameln, unweit von
Gorleben. Und bereits jeder sechste Neuwagen, der dort gekauft wird,
kann reines, in der Region erzeugtes, Biogas tanken.
Das Wendland
ist so, mit seinen heimischen Erneuerbaren Energien, auf dem besten
Wege zur - bereits vor 30 Jahren ausgerufenen - „Republik Freies
Wendland“ zu werden. Frei und unabhängig von Energieimporten mit
einem Maximum an regionaler Wertschöpfung.
Wären da nicht die hochradioaktiven Castoren im Zwischenlager Gorleben.
„Wir
verstehen, dass die Wut der ortsansässigen Bevölkerung von
Tag zu Tag steigt. Dies auch angesichts der kürzlich beschlossenen
Laufzeitverlängerungen. Deutscher Atommüll aus dem Ausland
gehört zunächst dorthin zurück, wo er produziert wurde,
nämlich zu den Zwischenlagern an den Standorten der
Atomkraftwerke. Parallel dazu benötigen wir eine bundesweite Suche
nach einem geeigneten Endlager. Hierbei dürfen sich auch
Länder wie Bayern und Baden-Württemberg nicht aus ihrer
Verantwortung stehlen. Und es muss schnellst möglichst aus dieser
Risikotechnologie ausgestiegen werden, um die Müllmenge
möglichst gering zu halten. Dass dies möglich ist, belegt die
Tatsache, dass acht Atomkraftwerke in Deutschland Strom nur für
den Export ins Ausland produzieren und dass die Erneuerbaren Energien
so stark wachsen, dass sie jedes Jahr die Stromproduktion eines
Atomkraftwerkes ersetzen können. Die Wendländer machen es uns
vor“, so Stefan Peipp und Dr. Dieter Schiel in ihrem Resümee.
Dr. Dieter Schiel, Arbeitskreis Energie und Klimaschutz









