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update: 10.11.2011

Mönche als Energieversorger

Die Agenda 21 Schwarzenbruck unternahm ihre diesjährige Informationsfahrt in das Benediktiner Kloster Münsterschwarzach. Wie Pater Christoph Gerhard und Bruder Edmar Schäfer bereits Anfang Oktober 2009 in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle darlegten, gelang es dem Kloster, seine Energieversorgung in weniger als 10 Jahren komplett CO2 neutral zu gestalten. Der Einsatz Erneuerbarer Energien und Investitionen in Energieeinsparung machten dies möglich.

Um vor Ort einen Eindruck von den getroffenen Maßnahmen zu bekommen, fuhr die Agenda Gruppe gespannt mit dem Bürgerbus nach Münsterschwarzach.

gruppe
Auf dem weitläufigen Klostergelände befinden sich neben der Abtei mit 100 Mönchen unter anderem eine Buchdruckerei, ein Gästehaus mit 60 Betten, eine Bäckerei, eine Metzgerei, verschiedene weitere Betriebe mit 200 Angestellten und landwirtschaftliche Gebäude sowie die Feuerwehr. Darüberhinaus werden in den Klostermauern die 1000 Schüler des Egbert Gymnasiums unterrichtet, davon leben im Tagesheim 300 Schüler. Die zu beheizende Fläche beträgt 50.000 m2.

Bruder Edmar Schäfer informierte die Agenda 21 Gruppe zwei Stunden lang darüber, was konkret von der Klostergemeinschaft umgesetzt wurde um eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien zu erreichen.

Eine Hackschnitzelheizung sorgt für die benötigte Wärme. Die Hackschnitzel stammen dabei aus Waldrestholz der umliegenden Wälder.
Eine Biogasanlage, die mit Gülle und selbst angebauten Energiepflanzen beschickt wird, erzeugt methanhaltiges Biogas. Dieses Gas liefert mittels eines Blockheizkraftwerkes zusätzlich Wärme für die Raumheizung als auch Strom.
Von den Dächern des Klosters fließt zusätzlich durch PhotovoltaiK erzeugter Strom ins Netz. Eine Wasserkraftanlage vor Ort und eine finanzielle Beteiligung am Windpark Damme, der auf klostereigenem Grund in Norddeutschland errichtet wurde, sorgen dafür, dass das Kloster in Summe weit mehr Strom erzeugt als es verbraucht.
Der Energiegehalt von 740.000 Litern Heizöl sowie von 860.000 kWh Strom wird nun CO2 neutral mit Erneuerbaren Energien erzeugt.

„Münsterschwarzach stellt ein Leuchtturmprojekt dar und zeigt auf, wie es in nur wenigen Jahren gelingen kann, die Energieversorgung vollständig auf Erneuerbare Energien umzustellen“, würdigt Dr. Dieter Schiel, der Sprecher des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz der Agenda21 die Maßnahmen der Mönche, „was in Münsterschwarzach möglich ist, kann, den entsprechenden Willen dazu vorausgesetzt, auch andernorts verwirklicht werden. Sogenannte „Brückentechnologien“ wie beispielsweise Atom- und Kohlekraftwerke sind in diesem Zusammenhang kontraproduktiv, da sie im Zusammenspiel mit den Erneuerbaren Energien nicht flexibel genug steuerbar sind. Dieses können nur flexible und zudem effiziente Gaskraftwerke leisten, die auch mit Biogas betrieben werden können. Die Erneuerbare Energien stellen ausgereifte Technologien dar und stehen überall, nahezu unbegrenzt und dezentral zur Nutzung bereit:“

„Die Bürger, Kommunen und Landkreise müssen den Umstieg auf 100% Erneuerbare Energien nur wollen“ ergänzt Dipl.- Ing. Joachim Friedrich, „die gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen sind, dank dem Erneuerbaren Energien Gesetz, gegeben. Leider drohen mit der neuen Bundesregierung hier erhebliche Verschlechterungen, insbesondere bei der Solarenergie.“

„Dabei fließen, entgegen einer weit verbreiteten Meinung in der Bevölkerung, keinerlei Steuergelder in die Erneuerbaren Energien. Für den Bundeshaushalt spielt die Förderung dieser Technologien daher keine Rolle“, ergänzt Agenda Sprecherin Tanja Holl, „der erhebliche volkswirtschaftliche Nutzen der regionalen Erneuerbaren Energien in Form von vermiedenen Energieimporten, verminderter Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Ausland, aktivem Klima- und Gesundheitsschutz sowie der Schaffung hunderttausender neuer Arbeitsplätze in Deutschland sollte daher nicht durch politische Fehlentscheidungen gefährdet werden.“

Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien investierte die Ordensgemeinschaft auch in die energetische Sanierung der Klostergebäude mit Dämmung der Wände und dem Einbau dreifach isolierverglaster Fenster aus der eigenen Schreinerei. In der großen Schule vor Ort wachen zudem Schüler als „Energiewarte“ darüber, dass keine Energie verschwendet wird.

Nach Ende der Führung über das Klostergelände und der anschließenden Diskussion saß die Agenda Gruppe noch in der gemütlichen Klostergaststätte beisammen und stärkte sich, bevor es mit wertvollen Eindrücken und neuen Ideen wieder nach Hause ging.

Dr. Dieter Schiel, Sprecher des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz