Das Kloster erzeugt seinen eigenen Strom
(Zeitungsbericht - Der Bote, Oktober 2009)Die Agenda21 Gruppe aus Schwarzenbruck lud erneut zu einem Vortrag in die Bürgerhalle ein. Dieses Mal referierten der Prior Christoph Gerhard und Pater Edmar Schäfer aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach. Die beiden Referenten erläuterten, wie ihre Vision, innerhalb von zehn Jahren das Kloster zu 95 Prozent durch regenerative Energien zu betreiben und somit den Standard "CO2-neutral" zu erhalten, Wirklichkeit wurde .
"Die
Ehrfurcht lehrt mich einen demütigen Umgang mit der
Schöpfung. Ich bin nicht der Herr oder gar Ausbeuter der
geschaffenen Welt. Ich
bin vielmehr selbst ein Teil von ihr, der zudem vor Gott für
seinen Bereich Verantwortung trägt" - Worte, die die
Zuhörer
von Pater Christoph Gerhard zum Nachdenken brachten: Denn der Mensch
ist ein Teil dieser Natur und doch zerstört er sie und damit
seinen eigenen Lebensraum und den seiner Kinder.
Die beiden Mönche gaben
zahlreiche praktische Beispiele und harte Fakten, wie jeder einzelne
Energie sparen kann. Sei es mit
Sanierungen des Hauses, dem Einsatz regenerativer Energietechniken oder
mit sparsamem Umgang mit Energie. Ein Leitspruch des Ordens aus der
Benediktinerregel ist neben zahlreichen anderen die discretio, das
rechte Maß im Umgang mit den Dingen.
Der
Umbau zum CO2-neutralen Kloster kostete 3,3
Mio. Euro. Bei einer Gesamtfläche von 50.000 qm,
die zu beheizen ist, lag das Kloster in den 1990er Jahren bei einem
jährlichen Verbrauch von 740.0000 Liter Heizöl und
einem
Stromverzehr von 860.00 kWh. Jährlich fuhren die
Mönche mit
ihrem Fuhrpark 715.000 km durchs Land und erzeugten somit mit dem
gesamten Kloster eine CO2-Ausstoß
von 2.800 Tonnen. An Weihnachten 2000 enstand die Vision, den CO2-Ausstoß
des Klosters massiv zu drosseln. Heute, knapp zehn Jahre
später, ist das Kloster CO2-neutral.
Wie haben die Mönche das gemacht?
Die
Abtei Münsterschwarzach produziert 100 Prozent ihres
Strombedarfs
selbst und 40 Prozent darüber hinaus. Zwar benötigen
die
Mönche an extrem harten Wintertagen immer noch eine
Ölheizung, doch der Jahresverbrauch wurde auf 77.600
Liter
Heizöl gesenkt. Die sonstige Wärmeversorgung
übernimmt
eine Holzhackschnitzelheizung. Dazu verwenden die Mönche
ausschließlich Waldrestholz aus den umliegenden
Wäldern, das
sonst ungenutzt verrotten würde. Die Energie entsteht in einer
Photovoltaikanlage, einer Biogasanlage (1.600.000 kWh) für die
Versorgung der Schule, der Küche, der Bäckerei sowie
der
Metzgerei und in Wasserkraftanlagen. Im Jahre 2001 erwarben die
Mönche Beteiligungen an der Windlkraftanlage Damme.
Außerdem
geschieht die Beleuchtung der Räume ausschließlich
durch
Energiesparlampen. Die Fassade des Klosters selbst wurde
wärmeisoliert und in den klostereigenen Werkstätten
entstehen
die Dreifachisolierverglasungen. In 30 Jahren wollen die
Mönche
dann den Sanierungszyklus erneut beginnen, da sich dann schon wieder
einiges in der Technik getan haben dürfte.
Den
weitaus größten Ertrag als Stromerzeuger liefert
jedoch die
Biogasanlage: Landwirtschaft ist nach wie vor in
Benediktinerklöstern ein wichtiger Bestandteil. So
erhält
auch das Kloster Münsterschwarzach sein Holz für die
Hackschnitzelheizung aus den eigenen Wäldern.
Gülle
und Futtermais für die Biogasanlage kommen aus der eigenen
Landwirtschaft und von benachbarten Bauernhöfen. Vielleicht
sei
auch dies eine Alternative für manchen Milchbauern, so Bruder
Edmar Schäfer. Ferner unterstrich Bruder Christoph Gerhard,
dass
keinerlei Lebensmittel in einer Biogasanlage Verwendung
fänden.
Dies sei eine weitverbreitete Fehlinformation. Bei den verwendeten
Pflanzen handle es sich ausschließlich um Futtermais, Gras
und
andere pflanzliche Abfallprodukte, die niemals in den
Lebensmittelkreislauf wandern könnten.
Einen
weiteren
Denkanstoß lieferte Bruder Edmar Schäfer: Die
Rohstoffe
Erdgas und Kohle werden dringend für die zukünftige
Stahlproduktion benötigt. Das Erdöl, eines der
essentiellen
Grundrohstoffe für die chemische und für die
Kunststoffindustrie, sei viel zu kostbar, um in den folgenden 200
Jahren vollständig verbrannt zu werden.
Neben
dem Holz sind
auch Wind und Sonne jeden Tag verfügbar. Was bringen
großzügig aufgefüllte
Fördertöpfe, wenn sie
von der Bevölkerung nicht angenommen werden? Die Politik hat
die
Fähigkeit, die Rahmenbedingungen zu schaffen, doch handeln
muss
jeder Einzelne selbst. Die beiden Mönche aus Kloster
Münsterschwarzach zeigten, wie es geht.
Beatrice Späth


